Die Autoren nehmen eine vergleichende Analyse von sechs europäischen drogenpolitischen Realitäten vor. Untersucht wird die Drogenpolitik von Frankfurt, Göteborg, Lyon, Modena, Rotterdam und dem Wallis. Die Untersuchung konzentriert sich auf die Beschreibung der Ziele, der Methoden und der Organisationsformen der Drogenpolitik (private und staatliche Organisationen und deren Zusammenarbeit) der untersuchten Regionen. Der Erfolg der verschiedenen Modell wird nicht analysiert. Die Autoren weisen darauf hin, dass das Problem illegaler Drogen, statistisch gesehen, geringfügig zu sein scheint. Die Probleme im Bereich legaler Drogen oder in bezug auf die Überalterung der Gesellschaft scheinen von viel grösserer Bedeutung zu sein. Das "Drogenproblem" werde aber durch soziale Werte und Begriffe aufgeladen, so dass das Thema zu einem der wichtigsten innerhalb der politischen Agenda werde.
Bezüglich der verschiedenen untersuchten Modell stellen sie fest, dass eine gewisse Annäherung der verschiedenen Drogenpolitiken zu beobachten ist. Sowohl strikte Repression wie völlige Liberalisierung werden überall abgelehnt und es wird eine pragmatische Politik verfolgt, die als ein Produkt von Erfahrung, Zielvorstellungen und internationalem Erfahrungsaustausch zu sehen ist. Bezüglich der Zielvorstellungen kann sich die Politik aber trotzdem noch unterscheiden: Schadensminimierung oder möglichst allgemeine Abstinenz. Eine Gemeinsamkeit aller Modelle besteht darin, dass bei allen Beteiligten eine gewisse Ernüchterung festzustellen ist. Keiner glaubt heute mehr daran, dass eines Tages eine endgültige Lösung für das Drogenproblem gefunden werden kann.
Ein Kapitel "EU-Drogenpolitik" fehlt im Buch, obwohl Frankreich etwa sich massiv in die holländische Drogenpolitik einmischt und dazu immer wieder in EU-Gremien Druck macht. pr.
Sandro Cattacin, Barbara Lucas, Sandra Vetter, Drogenpolitische Modelle: Eine vergleichende Analyse sechs europäischer Realitäten, Zürich, Seismo, 1996.
