Das Buch präsentiert die Beiträge von 19 AutorInnen mit recht unterschiedlicher politischer Ausrichtung zu einer umfassenden europäischen Friedenspolitik, die sich als Alternative zur bestehenden EU-Politik versteht. Eine europäische Friedenspolitik muss sich gegen Angriffskriege à la Irak-Krieg wenden. Sie wendet sich gegen Unsicherheit schaffende Rüstungsabenteuer und gegen den Traum europäischer Eliten, die sich im 21. Jahrhundert an einem militärischen Ringen um Macht und Weltherrschaft beteiligen wollen. Die EU sollte weniger als Global Player ihre eigenen Interessen verfolgen, sondern sich als ehrlicher Makler von Nord und Süd profilieren. Gemäss Autoren setzt das ein Umdenken in der Politik und einen Bewussteinswandel in der Bevölkerung auf breiter Basis voraus. Wie realistisch ist die Chance auf einen solchen Politikwandel? Das Buch versucht, darauf Antworten zu geben, wobei die Beiträge unterschiedlich EU-kritisch sind. Besonders informativ ist der Artikel von Thomas Roithner über die militärischen Aspekte der EU-Aussenpolitik. Huffschmid analysiert die Fehlentwicklungen der EU-Wirtschaftspolitik, welche für den "miserablen Zustand der EU" verantwortlich sind (vor der Euro-Krise geschrieben!). Lesenswert ist auch der Artikel von Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf über "Geoökonomie und Geopolitik der Europäischen Integration": Robert Cooper aus dem Büro des Beauftragten für die Europäische Sicherheitspolitik, Javier Solana, sagt von jenen, "die von Deutschland oder Europa als einer zivilen Macht' sprechen", dass sie sich "Illusionen hingeben". Wie illusionär diese Sichtweise ist, wird im Artikel ausführlich beschrieben.
Gerald Mader, Thomas Roithner (Hrsg.), Europäische Friedenspolitik: Inhalte, Differenzen, Methoden und Chancen, Wien: Lit Verlag.
