Grüne Landwirtschaft bleibt Zukunftsmusik
Das Europäische Parlament hat die Pläne der EU-Kommission für eine ökologisch und sozial gerechtere Reform der Agrarpolitik abgeschwächt. Die Abgeordneten beschlossen am 13. März ihre Position für die Verhandlungen mit dem Rat und der Kommission in den kommenden Monaten. Weniger Monokulturen und mehr Umweltschutz in der Landwirtschaft bleiben vorläufig Wunschvorstellungen.
Mit der Abstimmung nahmen die Parlamentarier Stellung zu dem Entwurf für eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik von EU-Agrarkommissar Dacian Cioloş. Die Kommission will die wichtigste Subventionsart, die Direktzahlungen, auf 300.000 Euro pro Betrieb begrenzen. Dafür beschloss das Parlament Ausnahmeregelungen, von denen nach wie vor Großbetriebe profitieren könnten, die sehr viel Fläche bewirtschaften. Das Agrarbudget ist mit gut 58 Milliarden Euro pro Jahr der größte Posten im EU-Haushalt.
Auch der Kommissionsvorschlag, dass sieben Prozent der Äcker "im Umweltinteresse" genutzt werden sollen, blieb auf der Strecke. Auf diesen sogenannten ökologischen Vorrangflächen könnten zum Beispiel Wildblumen oder Hecken wachsen. Sie könnten auch einfach brachliegen. Die Abgeordneten beschlossen, zunächst nur drei, ab 2016 dann fünf Prozent der Agrarfläche so umzuwidmen. Zudem sollen Betriebe bis zu zehn Hektar von dieser Regelung ausgenommen werden. Die geplante Vorschrift, umweltschädliche Monokulturen zu verhindern, indem Bauern mindestens drei Fruchtarten anbauen sollten, gilt nach dem Votum des Parlaments nun erst für Betriebe ab 30 Hektar.
Das Europäische Umweltbüro lobte zwar, dass die "schlimmsten Verschlechterungen", die der Agrarausschuss des Parlamentes im Januar beschlossen hatte, korrigiert wurden. Aber die Parlamentarier hätten es nicht geschafft, die Agrarpolitik künftig umweltfreundlicher zu gestalten als sie jetzt ist.
Aus Sicht von EuroNatur ist es positiv, dass die Abgeordneten eine neue Weichenstellung für die EU-Agrarpolitik beschlossen haben. Die Mehrheit sprach sich dafür aus, dass immerhin 30 Prozent der Direktzahlungen künftig an eine ökologischere Bewirtschaftung gebunden werden sollen.
Dies hob auch der BUND hervor, fordert aber gleichzeitig, dass diese Auflagen verschärft werden. Nur so könnten sie wirksam für die Umwelt sein. Die Bundesländer hätten bei der Umsetzung der EU-Agrarreform einen gewissen Spielraum. Sie könnten einen größeren Teil der Subventionen für Agrarumweltmaßnahmen einsetzen als bisher.
Der NABU bezeichnete die Abstimmung als "widersprüchlich". Das Parlament sei seiner hohen Verantwortung den 500 Millionen EU-Bürgerinnen und Bürgern nur teilweise gerecht geworden. Falls das Greening nicht verbessert werde, müsste über die vollständige Streichung sämtlicher Direktzahlungen diskutiert werden.
Die Umweltverbände hoffen, dass bei den anstehenden Verhandlungen mit den EU-Agrarministern und der Kommission noch echte Verbesserungen durchgesetzt werden können. Dafür ist weiterhin das Engagement der Zivilgesellschaft erforderlich. Deren Protest hat aus Sicht der Verbände die schlimmsten Beschlüsse des Agrarausschusses im Parlamentsplenum verhindert.
Die Verhandlungen zwischen Rat, Kommission und Parlament werden voraussichtlich bis zum Sommer dauern. Der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament Martin Häusling forderte bereits, die Agrarreform in zwei Jahren zu überprüfen. Die Erfahrungen früherer Agrarreformen zeigten, dass die Ursprungsidee später doch noch realisiert werden könne. Umwelt aktuell, April 2013, S. 15.
